(Pressemitteilung vom 20. Dezembner 2010)
Die weiblichen Mitglieder der Vollversammlung der IHK Köln wenden sich in einem offenen Brief an Barbara Steffens, NRW-Landesministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, anlässlich der Diskussion über die Beteiligung von Ehrenämtern in Industrie- und Handelskammern gegen eine "Ehrenamtsquote". Birgit Dircks-Menten, Initiatorin des Schreibens und IHK-Vizepräsidentin, unterstreicht: "Die Bereitschaft, Unternehmerinnen in Ehrenämter zu berufen, ist längst da. Von einem 'mangelnden gleichstellungspolitischen Bewußtsein' kann keine Rede sein. Wir würden uns allerdings freuen, wenn sich noch mehr fähige Unternehmerinnen an ehrenamtlicher Arbeit beteiligen würden. Es fehlt oft schlicht und einfach an geeigneten Kandidatinnen. Die Qualität sollte vor der Quote stehen".
Der Brief im Wortlaut:
"Sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrte Damen und Herren,
nachdem von einem (männlichen) Mitglied der Vollversammlung der IHK Köln die vermeintlich mangelhafte Beachtung des Landesgleichstellungsgesetzes durch die IHK Köln kritisiert worden ist, möchten wir, die weiblichen Mitglieder der IHK-Vollversammlung, gerne hierzu unsere Auffassung übermitteln.
Die Beteiligung von Unternehmerinnen an der ehrenamtlichen Arbeit der IHK Köln ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und so soll es - zumindest nach unserer Überzeugung - auch weiter gehen. So gibt es inzwischen zwei Vizepräsidentinnen, eine Ausschussvorsitzende, zwei stellvertretende Ausschussvorsitzende, eine Vorsitzende und eine stellvertretende Vorsitzende von Wirtschaftsgremien sowie 17 Unternehmerinnen in der Vollversammlung. Im Übrigen: In der hauptamtlichen Geschäftsführung sind von 12 Mitgliedern immerhin fünf Damen.
Natürlich würden auch wir uns eine noch intensivere Beteiligung von Unternehmerinnen wünschen. Dass dies schwierig ist, hängt aber nicht am mangelnden "gleichstellungspolitischen Bewusstsein" oder gar Unwillen der IHK Köln. Vielmehr ist der Anteil der Unternehmerinnen am ehrenamtlichen Engagement in der IHK Köln Spiegelbild der Situation in der Wirtschaft allgemein.
Kurz: Wir erkennen inzwischen keine mangelnde Bereitschaft mehr, fähige Unternehmerinnen in herausgehobene Ehrenämter zu berufen, sondern es mangelt schlicht an (noch mehr) geeigneten Kandidatinnen, die sich hierfür zur Verfügung stellen. Die Gründe hierfür mögen vielfältig sein: Neben dem Anteil an der Unternehmerschaft insgesamt, sind es häufig ganz persönliche Prioritäten, aber natürlich im einen oder anderen Fall auch die Schwierigkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Selbstverständlich kennen wir die Diskussion über Frauenquoten in Vorständen und Aufsichtsraten. Wir möchten aber unterstreichen, dass auch uns besonders an der Eignung als entscheidendem Kriterium für Berufungen liegt. Ob durch eine gesetzlich angeordnete Frauenquote in den ehrenamtlichen IHK Gremien die Situation nennenswert verbessert werden kann, halten wir aus den geschilderten Gründen daher für fraglich. Dies gilt im Übrigen für das Hauptamt gleichermaßen.
Natürlich sind wir gerne zu einer Erläuterung unserer Position bereit."